Long-Covid: Wenn der Alltag aus dem Takt geraten ist

Ganz am Anfang der Pandemie warnten Vertreter der WHO, das Virus sei gekommen, um zu bleiben. Für viele, die eine Corona-Infektion überstanden haben, hat die pessimistische Prophezeiung inzwischen eine ganz eigene Wahrheit erlangt: Sie leiden an den Spätfolgen von Covid-19. An Atembeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten und anhaltender Erschöpfung.

Rund 10 bis 20 Prozent der ehemaligen Corona-Patienten haben mit Long-Covid-Symptomen zu kämpfen. Das sind in Österreich schätzungsweise rund 50.000 Patienten.

Das Krankheitsbild stellt Mediziner aller Fachrichtungen vor große Herausforderungen, denn noch ist nicht ganz klar, warum die Langzeitfolgen überhaupt auftreten. Oder warum, Frauen zwischen 20 und 40 Jahren in jüngster Zeit besonders häufig davon betroffen sind.

Fest scheint aktuell nur zu stehen, dass die komplexen Long-Covid-Symptome eine quasi interdisziplinäre Behandlung erfordern.

Was genau ist Long-Covid?

Das Spektrum der Symptome, die nach einer überstandenen Corona-Infektion auftreten können, ist - und das ist keineswegs übertrieben - sehr, sehr breit gefächert.

Um überhaupt eine Eingrenzung vornehmen zu können, definiert das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Long Covid zunächst einmal zeitlich: Demnach gelten Krankheitserscheinungen, die noch zwölf Wochen nach der Infektion mit dem Sars-CoV-2-Erreger und seiner Mutanten bestehen oder fortdauern, als Long-Covid-Symptome. Die Anzahl der Betroffenen liegt international bei zehn bis 20 Prozent.

Dreiviertel aller Erkrankten leiden hingegen unter dem sogenanntem Post-Covid: Das sind gesundheitliche Einschränkungen wie Husten, Herz- und Kreislaufprobleme und Erschöpfungszustände, die sich aber im Rahmen einer (etwas längeren) Rehabilitationsphase von bis zu zwei Monaten zurückbilden.

Post-Covid hat mit Long-Covid insofern eigentlich nichts zu tun - obwohl die beiden Begriffe irrtümlicherweise oft als synonym verwendet werden.

Welche Long-Covid-Symptome gibt es?

Zu den häufigsten fortwährenden und/oder wiederkehrenden Langzeitfolgen nach einer überstandenen Corona-Erkrankung zählen Atemwegsbeschwerden und Luftnot, Brustschmerzen, Herzklopfen und vor allem die als Fatigue-Syndrom bekannte Dauererschöpfung. Betroffene klagen über eine lähmende Müdigkeit, eine fortwährende Abgeschlagenheit.

Oft gelingt die Bewältigung des Alltags nur unter größten Anstrengungen, weil selbst die kleinsten Verrichtungen zu schneller Erschöpfung führen. Verstärkt wird dieses Gefühl der Hilflosigkeit durch Schwierigkeiten, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Nicht selten fehlen plötzlich die Worte oder einzelne Gedanken scheinen einfach verloren zu gehen.

Die physischen Beeinträchtigungen durch Long-Covid werden durch sie begleitenden psychischen Symptome oft noch verstärkt: Angst vor der Zukunft begünstigt Schlafstörungen und Depressionen. Probleme in den Sozialbeziehungen und der eigenen Partnerschaft legen sich wie ein schwerer Stein auf die Seele - und verstärken so die ohnehin angeschlagene körperliche Stabilität.

Nicht selten führt die verminderte Leistungsfähigkeit durch Long-Covid zu Ängsten vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und - damit verbunden - vor finanzieller Unsicherheit. Dazu gesellt sich nicht selten das Unverständnis von Arbeitgebern und Kollegen über die "mangelnde Motivation" des von der Erkrankung vermeintlich doch genesenen Mitarbeiters.

Wie greift Long-Covid den Körper an?

Noch kann nicht mit eindeutiger Sicherheit erklärt werden, welche Mechanismen oder Bedingungen Long-Covid begünstigen. Zumal oftmals organische Schäden ausgeschlossen werden können. Auch die Koppelung an besonders schwere Verläufe trifft in den allermeisten Fällen nicht zu.

Im Gegenteil: In jüngerer Zeit häufen sich die Fälle, in denen vor allem jüngere Patienten mit nur mildem Symptomverlauf noch Wochen und Monate später unter bleierner Antriebslosigkeit leiden und sich zu erschöpft fühlen, um ein Buch zu lesen oder einen Spaziergang zu unternehmen.

Gleichzeitig verdichten sich jedoch die Anzeichen dafür, dass Long-Covid sowohl im Krankheitsbild als auch in der (möglichen) Ursache dem bekannten chronischen Fatigue-Syndrom (CFS) ähnlich ist. Zwar ist CFS wissenschaftlich noch unzureichend erforscht, angenommen wird aber, dass eine überbordende Immunreaktion für die Dauererschöpfung verantwortlich ist.

Vermutet wird nun, dass die Langzeitfolgen des Coronavirus ebenfalls durch ein "überfordertes" Immunsystem ausgelöst werden. Normalerweise fährt die Abwehrabteilung des Körpers hoch, um die feindlichen Angreifer zu vernichten - und schaltet anschließend wieder in den Normalbetrieb. Bevor es das jedoch tut, räumt es sozusagen das Schlachtfeld (mit den unschädlich gemachten Viren) auf.

Im Falle von Long-Covid scheint diese "Säuberung" auszufallen - mit der Folge, dass die verbliebenen Reste überall im Körper entzündliche Veränderungen hervorrufen. Obwohl die Infektion also ausgestanden ist, schwelen im Körper über Wochen diffuse Entzündungen - die die chronische Abgeschlagenheit hervorrufen.

Welche Corona-Langzeitfolgen gibt es bei Sportlern?

Die Behandlung von Long Covid - das zeigen alle bisherigen Erfahrungen - benötigt vor allem eins: Zeit. Verbissene Anstrengung, den Körper wieder zu aktivieren, verschlechtert eher den Zustand. Dieser Umstand kann für Sportler durchaus bitter sein, deren Leistungsfähigkeit an eine maximale Fitness durch konstantes Training gekoppelt ist.

Prominente Sportmediziner haben bei am Coronavirus erkrankten Spitzensportlern vor allem zwei Dinge als Spätfolgen beobachtet: Einen verstärkten, sogenannten anaeroben Metabolimus, durch den der Körper schneller Laktat bildet, und einen erhöhten Ruhepuls. Beides steht für mangelnde Fitness. Und die Erkenntnis, dass der alte Leistungsstand nicht ganz einfach schnell wieder erreicht werden kann.

Trotzdem bleiben Bewegung und Sport die besten Schutzmechanismen der Gesundheit.

Erfolgreiche Behandlung bei Covid-19-Langzeitfolgen

Long-Covid ist trotz aller Unwägbarkeiten kein lebenslanges, unabänderliches Schicksal. Die Behandlung der Erkrankung erfordert gleichwohl eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Physiotherapie und Psychologie, von Orthopäden und einer Mentaltrainerin.

Klassische Reha-Programme führen hingegen nur bedingt zu einer hinreichenden Verbesserung des Gesundheitszustandes. Was auch darin begründet liegt, das hier zu sehr auf eine konsequente Leistungssteigerung gesetzt wird, die für Long-Covid-Patienten nur allzu schnell zu einer Überforderung führt, die unbedingt zu vermeiden ist.

Fazit

Wenn das Gleichgewicht aus körperlicher Unversehrtheit und mentaler Gesundheit aus dem Takt geraten ist - und das ist bei Long-Covid-Erkrankten ausnahmslos der Fall - dann kann diese Balance nur durch eine konzertierte Aktion wieder hergestellt werden.

Bei der Überwindung von Corona-Langzeitfolgen helfen ganzheitliche Therapieansätze, die von gesunder Ernährung über Physiotherapie sowie mentales Training und orthopädische Begleitung die psychische Rehabilitation und die körperliche Rekonvaleszenz in den Mittelpunkt stellen.

Long-Covid dauert länger, aber du kannst die Erkrankung mit fachkompetenter Hilfe auch wieder vertreiben.

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